Presseberichte zum Sportforum

22.10.2012

Drei Stunden Köpferauchen
Forum „Mut zum Ehrenamt im Sport“: Versuch einer Trendwende

Bildquelle: A. Kroeze (KSB Grafschaft Bentheim e.V.)

Eine ausgezeichnet strukturierte Veranstaltung führte in Nordhorn mehr als 200 Vereinsvertreter zusammen. Einem intensiven Gedankenaustausch folgte unmittelbar die Ergebnisanalyse. Fazit: Ehrenamt ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, die auf vielen Schultern ruhen muss.

Von Guntram Dörr - Nordhorn. Drei Stunden rauchten am Freitag die Köpfe im Foyer des NINO-Hochbaus, als Repräsentanten von mehr als 200 Sportvereinen aus der Grafschaft und dem Emsland unter der Regie der Kreissportbünde (KSB) beider Landkreise ein Forum bestritten unter dem Titel „Mut zum Ehrenamt im Sport“. Warum Mut? Weil das Engagement für die Allgemeinheit zwar zunehmend als bedeutender Baustein für eine funktionierende Gesellschaft gelobt und gewürdigt wird, die Voraussetzungen sich aber stetig erschweren.

Es knackt im Gebälk des Bürgersinns, weil sich immer seltener Ehrenamtliche als Vorstände, Betreuer und Helfer gewinnen lassen. Vor allem im Sport. Wie ernst die Politik diese Entwicklung nimmt, zeigte Uwe Schünemann als zuständiger Landesminister. Als Redner (die GN berichteten am Sonnabend) stimmte er das Forum nicht nur ein, er blieb bis zum Ende – konzentriert zuhörend, Fragen beantwortend, ohne Krawatte.

Wie schwer es im Alltag ist, Mitbürger für die Arbeit in einem Verein zu gewinnen, wusste dieses Publikum nur zu gut – die gelungene szenische Darstellung eines „Impulsschauspiels“ auf der Bühne spiegelte dies genau. Kurz, knackig und zur Diskussion anregend erzählten Eva Kuiter, Rüdiger Smorra und Willi Fenslage von der Mühe, Mitstreiter zu gewinnen – aber auch von der Motivation durch gemeinsame Erfolge.

Mut also braucht es tatsächlich in diesem Metier, das – oft nebenberuflich – viel Zeit kostet, manchen Ärger macht, inzwischen vollgepfropft ist von nervender Bürokratie und durchaus nennenswerte Haftungsfragen mit sich bringt.

Das glänzend strukturierte Forum in Nordhorn ließ dies und mehr nicht aus, konzentrierte sich dann aber stark auf Lösungsmöglichkeiten. In Themen-Stammtischrunden wurde deutlich, dass die Zukunft des Ehrenamtes im Sport nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern auf vielen Schultern ruhen muss. So stellte sich die offene Frage: Wie können Politik und Wirtschaft helfen, was muss der Sport aus sich heraus leisten?

Die Moderatoren arbeiteten schnell: Auf drei großen Tafeln im Manz-Saal klebten bereits wenige Minuten später Ideen-Täfelchen mit einer Reihe praktikabler Verbesserungsvorschläge.

Wirtschaft: Wie wäre es, wenn sich Unternehmen fänden, die einmal im Jahr eine Ehrenamts-Gala ausrichten? So könnte engagierte Bürgersinn eine verdiente Belohnung erfahren.

Junge Stellenbewerber, die sich beispielsweise als Trainer, Betreuer oder anderweitig engagieren, könnten von Unternehmen bevorzugt werden.

Politik: Sie wird als Moderator und Unterstützer gebraucht, aber auch als Beseitiger von Unklarheiten (Einkommensteuer-Pauschale). Oft gehörte Forderung: Weniger Bürokratie, die zu viel Kapazitäten und Zeit bindet. Wie wäre es, so ein weiterer Vorschlag, junge Menschen aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr beziehungsweise dem Bundesfreiwilligendienst für die Unterstützung in Sportvereinen zu gewinnen?

Sport: Selbstkritisch erklang die Frage, warum die durchaus ja vorhandene Freude am Ehrenamt zu wenig nach außen getragen wird. Außerdem: Kleben, bei allem Mangel an Kandidaten, so manche Vorsitzende einfach zu lange an ihrem Stuhl und verprellen so Nachfolger? Werden junge Aktive in geeigneter Weise an Betreuungsaufgaben herangeführt?

Was bleibt? Sport, Politik und Wirtschaft haben sich in Nordhorn ausführlich ausgetauscht, dies könnte der Beginn einer Trendwende sein. Der emsländische KSB-Vize Hermann Wilkens wünscht sich, „dass von Nordhorn ein Signal ausgeht“. Der Grafschafter Sportbund-Vorsitzende Thomas Heils gab eine erste Erfolgsmeldung mit auf den Heimweg: Die Sporthilfe Grafschaft Bentheim will ab 2013 die Kosten einer Unfallversicherung für alle ehrenamtlich Aktiven in Sportvereinen übernehmen.

Quelle: Grafschafter Nachrichten vom 22.10.2012


20.10.2012

Sport hadert mit Strukturwandel im Ehrenamt
Minister Uwe Schünemann: „Studien zeigen Bereitschaft sich einzubringen“ – Dennoch Rückgang

Bildquelle: GN

Von Irene Schmidt - Nordhorn. Die Menge ehrenamtlich Engagierter in Niedersachsen steigt, doch auch die Anzahl der Probleme. Vor allem die Sportvereine leiden unter einem gesellschaftlichen Strukturwandel und suchen zum Teil Hände ringend nach Betreuern, Trainern oder Menschen, die im Vorstand bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. „Mut zum Ehrenamt im Sport“ heißt deshalb das Thema einer Veranstaltungsreihe des Landessportbundes Niedersachsen und des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport. Auf vier Regionalveranstaltungen galt es, herauszufinden, wo die Vereine an ihre organisatorischen Grenzen stoßen. Die Finalrunde wurde auf Einladung der Kreissportbünde Grafschaft Bentheim und Emsland gestern Abend im NINO-Kompetenzzentrum in Nordhorn ausgerichtet.

Der niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Uwe Schünemann, hatte die Reise von Hannover in die Grafschaft auf sich genommen, um selbst Impulse zu setzen und deutlich zu machen, wie wichtig ihm das Thema ist. So zumindest interpretierte Thomas Heils, Vorsitzender des Kreissportbunds Grafschaft Bentheim, den Besuch Schünemanns. Der hatte sich eingangs bereits an Informationsständen regionaler Sportförderer und Unterstützergruppen im Hochbau-Foyer gesprächsbereit gezeigt und deren Engagement ausdrücklich gelobt. Auch dort, auf dem „Markt der Möglichkeiten“ habe er Anregungen, das Ehrenamt im Sport zu fördern, aufgenommen.

Studien in Niedersachsen zeigten, so Schünemann, dass die Bereitschaft sich einzubringen, vorhanden sei, jedoch eine langfristige Bindung im Verein an Attraktivität verloren habe. Einerseits seien Ehrenamtliche mit Herzblut engagiert, andererseits jedoch auch ein starker Rückgang zu erkennen. Mehrere Problemfelder seien bereits erkannt. Schünemann nannte in diesem Zusammenhang die Bürokratie, Haftungsfragen und die Qualifizierung. Zum Teil seien Hürden bereits beseitigt oder zumindest verringert worden. Derzeit gehe es auch darum, zuzuhören und zu sammeln. Im November werde eine Bilanz der Regionalveranstaltungen gezogen, um dann Probleme „peu ? peu abzuarbeiten“.

Der Präsident des Landessportbundes Niedersachsen, Professor Dr. Wolf-Rüdiger Umbach, wies darauf hin, dass der Strukturwandel dem Ehrenamt im Sport zu schaffen mache. Einer der Gründe sei der demografische Wandel, aber auch Veränderungen in der Arbeitswelt und in Schulsystemen (Ganztagsschule) trügen dazu bei. Während die Anzahl Ehrenamtlicher in einigen Bereichen wie Kunst, Kirche oder Kultur noch steige, sinke sie im Sport. Es sei an der Zeit, dass sich Sportvereine mit Stärken-Schwächen-Analysen befassten und sich gezielt um Nachwuchs für das Ehrenamt kümmerten. Und, so Umbach: „Wir brauchen mehr Zusammenarbeit.“ 9700 Sportvereine gebe es in Niedersachsen. 70 Prozent davon hätten unter 300 Mitglieder. Da sei es nahe liegend, sich zumindest in Teilbereichen, auch für Verwaltungsaufgaben, nach Partnern umzusehen.

Einen ausführlichen Bericht über Themenrunden, Problemanalysen und Lösungsansätze im Verlauf der Regionalveranstaltung in Nordhorn lesen Sie am Montag auf dieser Seite.

Quelle: Grafschafter Nachrichten vom 20.10.2012


1 | 2